Im Zwischenland

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Beschreibung

Im Zwischenland – Rhapsodien

Was Matthias Buth zu sagen hat, tritt aus einer Versenkung in das Einzelne unvermittelt hervor, die einen Blick auf das unwahrscheinliche Ganze ermöglicht.


Die Sätze, Texte, Gedichte, Gedankensplitter bieten eine formbewusste, unnachgiebige Auseinandersetzung mit der Welt, die solche Versenkung zudem zu einem Schlüssel einer authentischen Ansicht der Gegenwart macht. Diese ist nicht nur an den mitunter sehr konkreten lebensweltlichen Themen wie etwa dem tausendfachen Tod von Flüchtlingen im Mittelmeer und seinem Reflex im europäischen Alltagsleben abzulesen, sondern auch an der Sichtbarwerdung einer generellen Haltung zu diesen Zeitfragen. „Das Mittelmeer, mare nostrum, das in uns hineinstirbt, Schlauchboot für Schlauchboot. Die Fernsehbilder lassen sich wegschalten. Noch.“ Es hallen diese Sätze nach, und ihr Widerhall taucht wie aus Abgründen auf, wenn plötzlich wieder ein ähnlicher Klang sich einstellt. Die Lektüre dieser plastischen und zugleich transzendierenden 780 Satz-Texte lässt erahnen, wie sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts Lesende in ein Verhältnis zur Erkenntnis setzen können.


„Selten habe ich in der Gegenwartslyrik für unendliche Verlassenheit poetische Bilder von solch tragischer Ironie gefunden,“ schrieb zutreffend der Kritiker Walter Hinck zu Buths Lyrik und diese Trauer über die bereits je gegebene Vergänglichkeit kennzeichnet auch die vorliegende Sammlung. Aber gerade darin liegt auch ein Teil ihrer Provokation: Dem Ernst eines Blicks auf den Umgang der Kreatur mit sich selbst sind nur wenige der üblichen kurrenten Welterklärungsmodelle gewachsen. Die Uneingelöstheit der modernen Versprechungen steht hier ebenso zur Debatte wie die Selbstbehauptung des Individuums. Buths Sätze befragen unvermittelt die Welt nach ihrer Heutigkeit und stoßen dabei skeptisch auf wenig Hoffnungsvolles, aber dennoch auch auf Tröstliches für den Einzelnen. „Mit Schreiben lässt sich der Tod in Schach halten. Satzweise.“ Buths Sammlung stellt so als ein großer Essay zur Gegenwart und zugleich als poetische Reflexion in ihrer Dialektik von Aufmerksamkeit und Überschreiten eine aktuelle Utopie des Lesens im Zwischenland dar: „Nur was man verschweigt, hat Herz bis in die Niederungen. Unaussprechlich.“


Auszüge aus dem Buch:


615

Anton Bruckner widmete seine 9. Symphonie „dem lieben Gott“. Das Komponieren war ihm Leben auf Zeit. Im Dom hörte er, wie sich seine Klänge in Antworten verwandelten, sie lösten ihm die gefangene Seele. Alle Werke waren ihm ein Te Deum. Tränennah und umarmend. Das Verlangen stillend.


616

Wir hängen unsere Harfen an die Weiden in jenem Land, psalmodieren Gesänge. Weiden und Harfen werden eins, gehen auf im Lied ohne Tränen. Ununterscheidbar die Wünsche.


617

In Neisse liegen auf dem Jerusalem-Friedhof die beiden, die sich das Leben teilten.

Joseph Freiherr von Eichendorff, Geheimer Rath a.D., geboren d. 10. März 1788, gestorben d. 26. Novbr. 1857 und Louise Baroness von Eichendorff, geb. von Lorisch, geboren d. 18. Juli 1792, gestorben d. 3. Dez. 1855

Zwei Steinplatten, die wie ein Buch den Himmel öffnen wollen. Der Dichter aus Schlesien, der ungebrochen aus dem Staatsdienst schied, sammelte polnische Märchen. Er hört ihnen nun zu, wenn polnische Witwen samstags die Wege harken und die Handbreit um die Gräber der Toten. Auch sie hören, was Märchen wissen, Gräber und Gedichte.


Weitere Informationen

Autor Matthias Buth

Zusätzliche Produktinformationen

Seiten:
ca. 200
Einband:
Hardcover
Maße:
21 x 14 cm
Sprache:
Deutsch
Erschienen:
März 2022
ISBN:
978-3-96258-102-2